Knockin’ on Heaven’s Door

Heute hat er an die Himmelstüren für Dichter geklopft – mehr kann man als Poet in diesem Leben nicht erreichen, und so als letztes die Nummer
1 – 58. Text – Knockin’ On Heaven’s Door – Pat Garret & Billy the Kid
Die Nummer 1 unter den Bob-Dylan-Songs liegt nicht als Soundteppich unter der Sterbeszene von Pat Garret (James Coburn) und auch nicht unter der von Billy the Kid (Kris Kristofferson). Der jugendliche Revolverheld verreckt ohne eine Note im Hintergrund, einfach niedergestreckt von einem einzigen Schuss, gefällt wie ein heimtückisch erschlagener griechischer Gott. Allein diese eine Szene reicht aus, um Regisseur Sam Packinpah für immer dankbar zu sein. Doch es gibt eine weitere, monumentale Szene in dem Streifen, in der Handlung, Musik und Stimmung auf nahezu unvergleichliche Art miteinander verschmelzen. Diese typische popkulturelle Melange ist das, was man heute als ‘kulturellen Mythos’ bezeichnen würde, der Moment, wo das Genie eines oder mehrerer Künstler etwas einmaliges erschafft.

Pat Garret zwingt einen alten Sheriff (Slim Pickens), mit ihn nochmals in den Kampf gegen Anhänger von Billy the Kid zu ziehen. Der Alte nimmt seine mexikanische Frau (Katy Jurado) mit, es kommt zur Schießerei, die Garret überlebt, ebenso die Mexikanerin. Billys Bandenmitglieder sind alle tot, der letzte verreckt gerade auf dem Dach der verfallenen Hütte, in der sich die Truppe versteck hatte.

Der alte Sheriff hat einen Bauchschuss. Und während Pat Garret dem sterbenden Revolverhelden auf dem Dach den finalen Schuss versetzen will, setzt die Musik ein. Für einen kurzen Moment ist nicht klar, für wen der Sound angestimmt wird, für den Jungspund auf dem Dach oder den aus dem Bauch blutenden Alten. Das Bild zeigt, wie der Sheriff sich vom Schlachtfeld wegschleppt, seine Frau erkennt, dass ihr Mann schwer verwundet ist. Sie lässt die Waffe fallen, läuft hinterher, die Musik wird hochgezogen,

Während in der einen Szene mit Garret noch sinnlos weiter gemordet wird, sitzt der alte Sheriff am Fluss mit der Gewissheit, dass er jetzt ebenfalls sinnlos sterben wird. Seine Frau ist angesichts der Trauer unfähig, sich ihm zu nähern und fällt zu Boden. Sie blicken sich zärtlich und verzweifelt an, er nickt ihr ein letztes mal zu, auf ihren Lippen meint man ein ‘I Love You’ lesen zu können. Dann wendet der Sheriff sein Gesicht dem Fluss zu und in seinem Blick lässt sich noch einmal der Traum von seinem Boot, von der Fahrt auf dem Wasser, erkennen, ehe er an die Tür klopft und die Himmelspforte durchschreitet.

Dass einer der größten Rock-Songs aller Zeiten für den Tod einer unwichtigen Nebenrolle ‘verschleudert’ wurde, während der Held ‘unbegleitet’ stirbt, wäre in den heutigen, stromliniengeformten Filmproduktionen undenkbar. Diese Entscheidung macht aus einem guten Film ein bahnbrechendes Meisterwerk. Und sie unterstreicht das humanistische Statement in Dylans Gesamtwerk: Kein Leben ist so unwichtig, dass es nicht wenigstens durch die Kunst verewigt werden könnte.

Los geht’s
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Mama, take this badge off o’ me
I can’t use it anymore
It’s gettin’ dark, too dark to see
I feel I’m knockin’ on Heaven’s door

Knock, knock, knockin’ on Heaven’s door
Knock, knock, knockin’ on Heaven’s door
Knock, knock, knockin’ on Heaven’s door
Knock, knock, knockin’ on Heaven’s door

Mama, put my guns in the ground
I can’t shoot them anymore
That long black cloud is comin’ down
I feel I’m knockin’ on Heaven’s door

Knock, knock, knockin’ on Heaven’s door
Knock, knock, knockin’ on Heaven’s door
Knock, knock, knockin’ on Heaven’s door
Knock, knock, knockin’ on Heaven’s door