Wider dem menschenverachtenden Zynismus

Wieder einmal ist eine Autobombe in Afghanistan explodiert – doch nun ist die Deutsche Botschaft beschädigt. Prompt reagiert die Bundesregierung und setzt zunächst einmal die Abschiebungen in den Krieg aus. Was dabei deutlich wird, ist der menschenverachtende Zynismus einer CDU-geführten Bundesregierung, die im Wahlkampf das Leben von Flüchtlingen für Stimmengewinne opfert.
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Wenn Wegschauen zur Staatsräson wird

Kunst kann ein Spiegel der Gesellschaft sein, kann Zeichen setzen – wenn sie relevant ist. Das Dresdener „Monument“-Kunstwerk, das an das Sterben in der Syrischen Stadt Aleppo erinnerte, hat zu Beginn des Jahres deutlich gemacht, wie notwendig eine Auseinandersetzung mit dem Thema Flucht und Fluchtursachen ist. Münster und die Skulptur-Projekte verweigern sich dieser Auseinandersetzung – und setzen mit der Absage an den Mexikanischen Konzeptkünstler Santiago Sierra ebenfalls ein Zeichen, ein Zeichen beängstigender Normalität.

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Afghanistan-Abschiebungen sofort stoppen!

Trotz des verheerenden Angriffs der Taliban mit 140 Toten auf einen Armeestützpunkt in der Nähe des deutschen Feldlagers bei Masar-i-Scharif hält die Bundesregierung an der Abschiebepraxis nach Afghanistan fest. In Kürze soll die fünfte Sammeldeportation nach Afghanistan erfolgen. Die Bundesregierung behauptet, es gebe dort verlässlich „sichere“ Gebiete und „innerstaatliche Fluchtalternativen“.
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Stoppt den Krieg in Syrien

Zu der Versammlung für den Frieden am Sonntag, den 23.04.2017 um 15:30 auf dem Prinzipalmarkt in Münster, wird der folgende Aufruf veröffentlicht. Wer den Aufruf persönlich unterstützen möchte, sende bitte Name und Anschrift an diese Adresse:

touch.down(at)saveearthlovepeacefreedom.org

Im Rahmen eines Fototermins wird auf den Stufen des Münsteraner Rathauses ein Zeichen für den Frieden gesetzt. Jeder Mensch darf gerne Transparente mitbringen, mit denen er oder sie zum Ende der Kriegshandlungen in Syrien aufruft.

Die Fotos werden unter dem HashTag #StopTheWar in den Sozialen Medien verbreitet. Diese Aktion soll möglichst viel Nachahmer finden, um den Druck auf die Politiker zu erhöhen, in Syrien endlich auf dem Verhandlungsweg den Frieden herbeizuführen und die vom Tode bedrohten Menschen aus dem Schlachtfeld herauszuholen.
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Age of Innocence

Do you hear the thunder
Raging in the sky?
Premonition of
A shattered world that’s gonna die.

In the Age of Reason,
how do we survive?
The protocols of evil
Ravaging so many lives?

Age of Reason, Black Sabbath

„Wir sind nicht unschuldig, nicht hier, nicht in dieser Zeit“. Sie wischt durch ihre Twitter-Timeline, Suchbegriff #Aleppo“. Trümmer, Bomben, Blut und Leichen von Frauen, Kindern, Männern reihen sich aneinander. Der Ton ist aus, so dass das Heulen der bunkerbrechenden Geschosse und das Inferno der Explosionen nicht zu hören sind.

Sie legt das SmartPhone bei Seite und zieht die Decke bis unter das Kinn hoch. Sie fröstelt. „Es geschieht jetzt und wir schauen nur zu, obwohl wir genau wissen, was dort passiert“. Ich stehe nackt am Fuß ihres Bettes und schaue hinunter auf ihren Körper, der sich unter der Decke abzeichnet. Die Erinnerung an die Nacht verschwindet unter dem Morgenlicht, das durch die Ritzen der Jalousien in das Zimmer hineinfällt. Die Welt dringt ein in unsere Zweisamkeit.

Der Krieg dringt ein in unsere Welt. Er steht eigentlich schon in diesem Raum. Er war hier, als wir miteinander geschlafen haben. Er zieht durch unsere Straßen, wenn wir in den Eiscafés sitzen. Er schaut uns zu, wenn wir durch die Einkaufszentren bummeln. Er steht unter der Laterne, wenn wir morgens unsere Kinder umarmen. Er lehnt am Kühlschrank, wenn wir die Katze füttern.

Der Krieg ist da, wenn wir die Augen schließen. Er wird bleiben, solange wir nur wegschauen.

Und während ich an ihrem Bett stehe, auf sie herunter schaue, begreife ich das unbegreifliche: wie eine Zivilisation zuschauen kann, wenn Menschen auf den Bildschirmen, in den Nachrichtensendungen sterben.

Ich stehe auf der Straße, in der ein erster Herbstnebel sich breit gemacht hat. Doch nicht nur der Herbst macht die Tage grauer. Es ist auch der Staub, der von den Trümmern in Aleppo aufsteigt, der sich hier auf die Fassaden legt und in dem Stadtbild mehr und mehr die Farben verschwinden lässt.

Als in Deutschland die Innenstädte verwüstet und in Europa Millionen Menschen in KZ ermordet wurden, schrieb Bertolt Brecht:

Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!

Als Adorno aus dem Exil nach Frankfurt zurück kehrte,schrieb er nieder:

Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch,…

In einer Zeit nun, in der alle Menschen zugleich Sender und Empfänger von Informationen sind, wenn sie hier am morgendlichen Pendler-Bahnhof stehen, das gesamte Weltwissen im Zugriff ihrer Hände – was ist da noch ein Baum, ein Gedicht? Nichts mehr bleibt uns verborgen, alles liegt offen. Wir sind eingewoben in ein weltweites Netz, das hinter all den Informationen natürlich auch jeden Ausdruck unseres Seins miteinander verknüpft.

Was also wird nach Aleppo noch möglich sein – Lieben, Atmen? Das Verpacken von Handlungsversagen in die praktischen Container übergeordneter Gründe ist uns längst Alltagshandeln geworden. Der Preis, den wir alle für diese Container bezahlen, ist unsere Unschuld.

Sie wird unter der Dusche stehen, während die Tweets das Grauen von Aleppo durch die Netzwerke senden. Die Welt hat sich immer rascher verändert seit unserem ersten Kuss. Unsere Träume sind grauer geworden in diesem Jahrhundert. Die Trümmerfelder der gegenwärtigen Kriege rücken immer näher heran an die Wege, die uns in die Zukunft führen. Landmarken, die uns zur Orientierung dienen, sinken ein zu Ruinen.

botschaft_russland_800Russische Botschaft, Berlin, 12.10.2016, 16:30 Uhr

protest_botschaft_iran

Iranische Botschaft, Berlin, 28.10.2016, 14:15 Uhr

Die Welt, in der wir uns lieben wollten, scheint verloren. Sie ist verloren, wenn wir nicht handeln.

 

These times are heavy
And you’re all alone.
The battle’s over
But the war goes on.

Politics, religion,
Love of money too.
It’s what the world was built for
But not for me and you.

Age of Reason, Black Sabbath